NABU-Thema im Januar: Das Rebhuhn, Vogel des Jahres 2026

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Seltene Begegnung

Einen Riesenschreck bekam mein Hund, als er im Sommer auf der Insel Texel im Ginster am Wegrand schnupperte: Mit knatternden Flügeln flogen ihm zwei aufgeschreckte Rebhühner über die Nase und suchten in flachem Flug das Weite. Noch vor zehn Jahren wäre das hier bei Diez kein außergewöhnliches Erlebnis gewesen, doch inzwischen bin ich froh, wenn ich einmal im Jahr Rebhühner zu sehen bekomme – so selten sind sie bei uns geworden.

Von der Steppe auf den Acker

Die ursprünglichen Lebensräume des Rebhuhns (Perdix perdix) sind die Grassteppen, Waldsteppen und Heidegebiete Asiens. Nach der Eiszeit wanderte es in Europa ein und ist seit dem Beginn des Ackerbaus ein fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft, ein Charaktervogel der Feldflur und der Brachflächen.

© Mathias Schäf

Kennzeichen und Rufe

Der etwa taubengroße, 300 bis 500 Gramm schwere Hühnervogel hat eine gedrungene Körperform, einen rundlichen Kopf, einen kurzen Schwanz und kurze Beine. Das Gefieder ist tarnfarben mit grauen und braungemusterten Partien. An der Brust befindet sich ein unterschiedlich intensiver dunkelbrauner Fleck in Form eines Hufeisens. Die erwachsenen Tiere sind an den orangebraunen Stirn- und Halspartien zu erkennen. Meist bewegt sich das Rebhuhn schreitend vorwärts, es kann aber auch flink laufen. Bei Gefahr drückt sich das Rebhuhn flach an den Boden und fliegt erst im letzten Moment schlagartig mit dem sogenannten „Flügelburren“ auf. Der schwirrende Flug erfolgt meist niedrig über dem Boden, wobei die Tiere auch längere Gleitstrecken einlegen. Wie die meisten Hühnervögel sind Rebhühner sehr ruffreudig: Ihr weithin hörbarer, schnalzend-schmetternder Balzruf dient den Hähnen auch zu Absteckung ihres Reviers. Seinen deutschen Namen verdankt das Rebhuhn den gellenden Alarmrufen „rep-rep-rep“, mit denen es bei Gefahr auffliegt.

© Hermann Hirsch

Fortpflanzung und Nahrung

Sein Nest baut das Weibchen als Mulde am Boden, gut gedeckt an Feldrainen, Weg- und Grabenrändern, Hecken, Gehölz- und Waldrändern. Um den Mai herum legt es etwa 15 einfarbige bräunlich-graue Eier. Nach knapp vier Wochen schlüpfen die Jungen, die mit zwei Wochen fliegen können und mit etwa fünf Wochen selbständig sind. Sie bleiben aber bis in den Winter im Familienverband („Kette“). In den ersten Lebenswochen benötigen junge Rebhühner für ihre Ernährung vor allem Spinnentiere und Insekten wie Ameisen, kleine Käfer, Schmetterlingsraupen und Blattläuse. Altvögel bevorzugen pflanzliche Nahrung wie grüne Pflanzenteile, Grasspitzen, Getreidekörner und die Samen von Wildkräutern, fressen aber auch Zikaden, Heuschrecken oder Wanzen.

© Hermann Hirsch

Extrem bedroht

Zum zweiten Mal „Vogel des Jahres“ wurde das Rebhuhn wohl deshalb, weil es die dramatische Bedrohung unserer hergebrachten Feldflur repräsentiert: Sein Bestand liegt in Deutschland nur noch bei knapp 50.000 Brutpaaren. Dies bedeutet einen Rückgang des früheren Allerweltsvogels um sage und schreibe 91 % von 1980 bis 2016! Folgerichtig wird das Rebhuhn auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt.

Ursachen der Gefährdung

Der wichtigste Grund für den Rückgang der Rebhühner ist die Intensivierung der Landwirtschaft: Pestizide vernichten die Wildkräuter und entziehen damit vielen Insekten ihre Lebensgrundlage, Insektizide töten Insekten direkt. Somit steht kaum noch Futter für die Jungen zur Verfügung und durch die fehlenden Kräuter mangelt es auch an Futter für die erwachsenen Tiere. Durch die Intensivierung sind zudem in den letzten Jahrzehnten viele Brachen und krautreiche Feldraine verloren gegangen, die das Rebhuhn zum Nisten und Brüten benötigt. Die Zunahme von Räubern, insbesondere den Waschbären, gibt dem bodenbrütenden Rebhuhn schließlich den Rest.

Maßnahmen zur Rettung

Zu seiner Rettung bräuchte das Rebhuhn ausreichende Flächen mit Kräutern und Insekten. Dazu können mehrjährige Blühstreifen mit einer lockeren Vegetation beitragen, da die Rebhühner schon im April oder Mai Flächen mit einer ausreichenden Deckung benötigen. Dabei sollten die Flächen eine Mindestbreite von 20 Metern haben, um Schutz vor Füchsen oder Waschbären zu bieten. Denn diese Beutegreifer suchen schmale, streifenförmige Randstrukturen gerne nach Mäusen oder Bodenbrütern ab. Weiterhin sollte der Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Insektiziden deutlich eingeschränkt werden, um Wildkräutern und den an sie angepassten Insekten wieder eine Überlebenschance zu geben. Ebenso wäre das längere Stehenlassen von Stoppelfeldern hilfreich, die heutzutage meist gleich nach der Ernte umgebrochen werden. Den Rebhühnern bieten sie Deckung und Nahrung. Nur eine baldige Umsetzung solcher Maßnahmen kann noch verhindern, was in der Schweiz bereits geschehen ist – dort ist das Rebhuhn mittlerweile ausgestorben.

© Hermann Hirsch

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