NABU-Thema im September: Baumschnitt

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Bald ist es wieder soweit: Die Brutsaison ist abgeschlossen und von Oktober bis Februar werden Millionen Bäume, Sträucher und Hecken zurückgeschnitten. Daher wollen wir heute über ein paar Grundregeln des Baumschnitts sprechen.

© Walther Adler

Gründe für Baumschnitt

Ist das überhaupt nötig? Jahrmillionen sind Bäume ohne menschlichen Beschnitt ausgekommen und werden das auch weiterhin tun – warum machen wir uns also die Arbeit? Zunächst deshalb, weil Obst- und Nussbäume eine lichte, luftige Kronenstruktur benötigen, um optimalen Ertrag zu erbringen. Sodann aber auch, weil wir zuvor Fehler begangen und zum Beispiel einen starkwüchsigen Baum an einen beengten Platz gepflanzt haben. Nach einigen Jahren stoßen dann die Äste an Wände, Dächer, Stromleitungen und müssen deshalb gekürzt werden, wenn der Baum nicht direkt gefällt werden soll. Dasselbe Problem entsteht nach wegenahen Pflanzungen ungeeigneter Baumarten aufgrund der Verkehrssicherungspflicht. Als nächster Grund sind ästhetische Vorstellungen zu nennen: Der Baum soll nicht natürlich wachsen, sondern z.B. eine perfekt kugelförmige Krone erhalten. Auch „Kopfbäume“, deren starke Kronenäste nicht ausladen dürfen, sondern regelmäßig auf Stummel eingekürzt werden, beruhen auf solchen Schönheitsdiktaten.

© NABU Seeheim-Jugenheim

Baumgesundheit

Vernünftigerweise sollte der Baumschnitt aber der Gesundheit und Langlebigkeit des Baumes dienen, zunächst durch das Entfernen reibender, erkrankter und gebrochener Äste sowie von Totholz. Wichtig sind zudem der Pflanz- und der Erziehungsschnitt, die dem erfolgreichen Aufwuchs und der optimalen Stamm- und Kronenausbildung dienen. Altbäume und Solitärbäume benötigen mitunter zur Erhaltung von Vitalität und Stabilität eine Auslichtung, gegebenenfalls auch eine Einkürzung der Krone, um die Statik des Baumes zu sichern.

© Walther Adler

Wichtige Regeln

Nie vergessen: Jeder auch gutgemeinte Schnitt in einen Baum ist eine schwächende Verletzung, die zur Eintrittspforte für Krankheiten werden kann. Deshalb sollte man die Schnitte frühzeitig und zur passenden Jahreszeit vornehmen und dabei die natürliche Wuchsform des Baumes respektieren. Je eher man einen störenden Ast entfernt, desto kleiner ist die Schnittwunde, je näher die Schnittform der natürlichen Kronenform kommt, desto schonender kann der Schnitt ausfallen und desto stabiler ist das Ergebnis. Selbstverständlich müssen die verwendeten Astscheren und Sägen scharf und sauber sein, um glatte, leicht heilende Wunden zu hinterlassen und den Eintrag von schädlichen Keimen zu minimieren. Starke Äste sollte man zunächst spannweit vom Stamm absägen und den verbleibenden leichten Stotzen erst danach stammnah auf der Korkleiste abtrennen, um einen gefährlichen Einriss zu verhindern.

Schnittzeiten

Die erfolgreiche Wundheilung hängt entscheidend vom individuell optimalen Schnittzeitpunkt ab: Beispielsweise sollte eine Kirsche nach der Ernte Anfang August, eine Walnuss im September, Ahorn und Birke während des Laubfalls im Oktober/November geschnitten werden, um ein übermäßiges Bluten zu vermeiden. Der Obstbaumschnitt sollte in der blattlosen Zeit zwischen Dezember und März erfolgen. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen zudem Bäume und Hecken nach §39 des Bundesnaturschutzgesetzes nur von Oktober bis Februar stark geschnitten werden. Formschnitte sind in Ortschaften auch außerhalb dieser Zeit zulässig, aber nur in der Ferne von Lebens- und Wohnstätten wie Vogel- und Hornissennestern oder Fledermaushöhlen. Ausnahmen davon sind nur zur Verkehrssicherung erlaubt.

© NABU Bensheim-Zwingenberg

Besser nicht als falsch

Generell sollte man zum Besten des Baumes seine eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen und im Zweifelsfall lieber einen sachkundigen Fachmann hinzuziehen. Leider tummeln sich auf diesem Gebiet viele unqualifizierte Firmen, die mehr Schaden als Nutzen anrichten. Sie sind zum Beispiel daran zu erkennen, dass sie viel zu radikal in den Baum eingreifen und mit der Vorhersage einer raschen Erholung brutale Rückschnitte begründen. Das Gegenteil ist leider meistens wahr und den amputierten Baumruinen blüht einzig noch eine Zukunft als Brennholz. Können Sie solchen Pfusch nicht von vornherein ausschließen, dann verzichten Sie lieber auf einen Baumschnitt, denn – siehe oben – seit Jahrmillionen geht es auch ohne.

© NABU / Tino Westphal

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