NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Mai 2022:  Lichtverschmutzung

Wer erinnert sich nicht gerne an Urlaubsorte, die in nächtlichen Stunden ein unvergessliches Sternenzelt zeigten? Dasselbe funkelnde Sternenzelt überspannt auch jede Nacht unsere Region. Nur, wir können es nicht sehen. Dafür verantwortlich ist weniger die Luft- als vielmehr die sogenannte Lichtverschmutzung. Die jährlich zunehmende nächtliche Beleuchtung von Häusern, Straßen und Industriegebieten wird von feinen Luftpartikeln reflektiert und verhindert so den phantastischen Blick ins Universum. Der entstehende „Lichtnebel“ ist nachts von Anhöhen aus gut zu beobachten: Über Ortschaften sieht man wahre Lichtkuppeln, aber auch außerorts ist es kaum noch wirklich finster. Neben der damit einhergehenden immensen Energieverschwendung hat die Lichtverschmutzung negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt, aber auch die menschliche Gesundheit.

Der natürliche Wechsel von Tag und Nacht hat im Laufe der Evolution zu vielfältigen Anpassungen im Tier- und Pflanzenreich geführt. So gibt es beispielsweise tagaktive, dämmerungsaktive und nachtaktive Tiere. Tagaktive Lebewesen wie der Mensch nutzen die Dunkelheit der Nacht zur Ruhe und Regeneration. Der Biorhythmus von Säugetieren wird in Abhängigkeit des Lichts von bestimmten Hormonen gesteuert. Die zunehmende nächtliche Beleuchtung stört den Tag-Nacht-Rhythmus von uns Menschen und anderen Organismen. Zu viel künstliches Licht unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin, wodurch die innere Uhr von Mensch und Tier gestört wird. Dies kann wiederum zu Schlafstörungen führen. Laborversuche zeigen: Wenn man bei kleinen Säugetieren wie Mäusen die innere Uhr durch Dauerbeleuchtung abschaltet, werden sie dick und krank. Die Vermutung liegt nahe, dass es bei uns Menschen nicht wesentlich anders ist.

Durch künstliche Lichtquellen wird die Orientierung von nachtaktiven Vögeln gestört. Zugvögel werden von ihren gewohnten Routen abgelenkt und fliegen dadurch mitunter weite Umwege. Singvögel verändern durch die nächtliche Dauerbeleuchtung ihr Sing- und Fortpflanzungsverhalten. Beispielsweise fangen die Männchen einiger Singvogelarten durch nächtliches Kunstlicht morgens früher an zu singen. Weibliche Blaumeisen beginnen eher mit dem Brutgeschäft. Die verfrühte Eiablage kann für den Meisennachwuchs kritisch werden, wenn die Phase des höchsten Nahrungsbedarfs nicht mehr mit dem Zeitpunkt der maximalen Nahrungsverfügbarkeit übereinstimmt.

Nachtaktive, flugfähige Insekten orientieren sich nachts normalerweise am schwachen Licht der Gestirne. Nachtfaltern reicht beispielsweise die geringe Helligkeit des Mondes für die Futter- und Partnersuche. Künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen oder die modischen Außenbeleuchtungen an Gebäuden und in Gärten ziehen viele Insekten unwiderstehlich an und locken sie aus ihren natürlichen Lebensräumen. Sie können sich an den Lampen weder fortpflanzen noch Eier ablegen oder Nahrung aufnehmen. Die Tiere steuern gezielt auf die Lampen zu und umkreisen sie stundenlang; oft bis zur totalen Erschöpfung.

Fulda wurde 2019 als erste „Sternen-Stadt“ Deutschlands anerkannt. Sie hat ihre Stadtbeleuchtung konsequent nach unten zum Boden gerichtet und steuert sie nach Bedarf. Fulda hat so auch seinen derzeit so teuren Energieverbrauch gesenkt. Zunehmend greifen auch weitere Gemeinden das Thema einer naturverträglicheren Stadtbeleuchtung auf. Aber auch Privatpersonen können tätig werden: Eine Lampe am Haus, die sich plötzlich durch einen Bewegungsmelder einschaltet, ist ein effektiver Einbruchsschutz, eine Dauerbeleuchtung dagegen nicht. Man sollte insektenschonende Leuchtmittel mit geringem Blauanteil einsetzen. Die Form der Lampengehäuse sollte unnötige Lichtemissionen abschirmen. Zudem sollten Gehäuse geschlossen sein, damit keine Insekten eindringen können. Eine niedrige Anbringung verhindert eine weite Abstrahlung. Zuletzt: weg mit den solarbetriebenen LED-Funzeln aus den Gärten – ein paar Kerzen passen viel schöner zu einem erholsamen Sommerabend.

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