NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Juli 2020:  Schmetterlinge in die Gärten!

Alle lieben Schmetterlinge! Wohl keine Wildtierfamilie ist bei Groß und Klein so einheitlich beliebt wie die farbenfrohen, leicht dahin gaukelnden und stets harmlosen Sommerboten. Und doch sind gerade unsere Falter besonders gefährdet: So meldete das Bundesamt für Naturschutz, dass mindestens 60 Schmetterlingsarten in Deutschland bereits ausgestorben und fast 500 weitere Arten vom Aussterben bedroht seien. Selbst Allerweltarten wie das Tagpfauenauge oder einstmals gefürchtete Schädlinge wie der Kohlweißling sind selten geworden. Schon bald könnte uns ein Fünftel unserer Falterarten für immer verlassen – und dabei wird es nicht bleiben.

Dafür gibt es viele Gründe, doch die höchste Bedeutung hat wohl neben dem Klimawandel mit Dürre und Hitze der Verlust an Lebensraum und Nahrung. Schmetterlinge brauchen offene, nährstoffarme und blütenreiche Landschaften sowie lichte, naturnahe Wälder. In der Realität dominieren aber intensiv bewirtschaftete Agrarwüsten mit Monokulturen, Pestizid- und Düngereinträgen sowie häufigen Wiesenmahden. Hinzu kommen die Betonwüsten der wachsenden Siedlungen.

Wenn wir unsere Falter erhalten wollen, müssen wir insektenfreundliche Vegetation anlegen. Erfreulicherweise nehmen die Blühstreifen in der Feldflur bereits sichtlich zu. Doch auch unsere Gärten und Parks können wir in Rettungsinseln für Schmetterlinge verwandeln!

Blühstreifen eignen sich in kleinerem Format auch wunderbar für Gärten: Jährlich wechselnde Blütenpracht erzielt man durch Aussaat von Phacelia (Bienenfreund), Malven, Königskerze, Nachtkerze, einjährigem Sonnenhut, Topinambur, Durchwachsener Silphie, Dill, wilder Möhre, Wiesen-Schaumkraut und Knoblauchsrauke. Mehrjährig wachsen Astern, Stockrose, Lavendel, Echinacea, Schafgarbe, Großer Sonnenhut, Riesen-Alant, Blut- und Wiesen-Storchschnabel, wilder Oregano, Thymian, Rosmarin, Ysop, Katzenminze, Blutweiderich, Kartäusernelke, Johanniskraut, Hornklee, Wiesenknopf und nicht zuletzt viele Distelarten. Die Bodenansprüche dieser Pflanzen differieren durchaus, aber mit recht magerer Erde (etwas sandig, kein Dünger) liegt man meistens richtig. Alle genannten Blütenpflanzen liefern zwar durchweg Futter für erwachsene Tagfalter, aber teils auch für Nachtfalter, die wiederum Fledermäuse in Ihren Garten locken. Ein Leckerbissen für Nachtfalter, Hummeln und duftliebende Menschen ist übrigens Jelängerjelieber, das Garten-Geißblatt! Zudem liefern einige der genannten Pflanzen auch Blattfutter für die Raupen der Falter. Und das ist wichtig! Viele Allerweltspflanzen sind verkannt als nutzlose Störenfriede; für Falterraupen sind sie aber essentiell: Brennnessel (ohnehin eine „Eierlegende Wollmilchsau“; u.a. für Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, C-Falter, Brennnesselzünsler), Disteln (sehr wichtig; z.B. für Distelfalter und Schachbrett), Knäuelgräser (für Dickkopffalter und Ochsenaugen), Zitterpappel (u.a. für den Kleinen und den Großer Eisvogel-Falter), Birke und Schlehe (für verschiedene Zipfelfalter). Sehr wichtig für eine Vielzahl von Raupen sind Liguster, Weißdorn, Faulbaum sowie viele weitere unserer einheimischen Bäume und Sträucher.

Aber auch exotische Blühgehölze, z.B. die Fuchsie (die die Raupen und Falter des Taubenschwänzchens versorgt, unseres Kolibris unter den Schmetterlingen), die Deutzie, der sprichwörtliche Schmetterlingsflieder und sein Verwandter, der Wechselblättrige oder Hängende Schmetterlingsflieder, wirken auf Tag- und Nachtfalter wie Magneten.

Die meisten unserer Falter überwintern nicht als adulte Tiere, sondern als Raupen oder Eier. Ihre Eltern heften sie dazu an Pflanzen, an oder in deren trockenen Mumien sie den Winter überdauern. Wenn wir diese Pflanzen im Herbst abräumen, war alle vorherige Mühe umsonst! Verschonen Sie daher zumindest im Randbereich von Gärten und Hecken die trockenen Staudenstängel, wenn Sie Ihren Garten für den Winter vorbereiten. Hüten Sie insbesondere die Knoblauchsrauke für die Puppen des Aurorafalters, dazu Disteln, Brennnesseln, Bärenklau, Sauerampfer und andere. Auch wenn es unordentlich aussieht: Bis Mai sollten sie den Anblick ertragen. Die dann aufkommenden Falter könnten Sie reich belohnen!

 

 

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