NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Oktober 2019:  Herbstlaub

Im Oktober bereiten uns Bäume und Büsche ein buntes Finale: Sie scheinen in Flammen zu stehen und leuchten von dunkelrot über goldgelb bis tiefbraun in allen Nuancen. Ein Spaziergang bei Sonnenschein im Laubwald ist daher ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Farbenpracht hat indes eine nüchterne Erklärung. Sie ist schlichtweg die Folge eines Notprogramms im Stoffwechsel der Bäume vor dem Eintritt des Winters. Über seine Blätter verdunstet ein Baum nämlich jeden Tag hunderte Liter an Wasser und das nicht nur in der warmen Jahreszeit, sondern auch bei Kälte. Bei Frost können die Wurzeln jedoch kein Wasser aufnehmen, das den Verdunstungsverlust ausgleichen würde. Laubbäume würden also vertrocknen, wenn sie im Herbst ihre Blätter nicht abwerfen würden. Dazu bildet sich zwischen Blatt und Ast eine dichte, aber brüchige Korkschicht, entlang der das nun von der Versorgung abgeschnittene Blatt irgendwann abbricht.

Doch es gibt Ausnahmen: Die Blätter immergrüner Laubbäume sind anders aufgebaut; so verfügen zum Beispiel die ledrigen Blätter des Lorbeerbaums über eine verdunstungshemmende Schutzschicht. Ebenfalls trockenresistent sind die Blätter fast aller Nadelbäume. In unseren Breiten verliert lediglich die Lärche im Herbst ihre Nadeln, da deren Verdunstungsschutz nicht ausreicht. Für winterkahle Bäume ist der Laubfall gleichwohl ein großes Verlustgeschäft, denn sie verlieren mit den Blättern einen großen Teil ihrer Biomasse. Um dabei möglichst viele wertvolle, in den Blättern gespeicherte Substanzen wie Stärke oder den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll zu erhalten, werden sie vor dem Welken in Stamm und Wurzeln zurückgezogen. Dadurch treten nun die verbleibenden roten und gelben Blattinhaltsstoffe hervor, die bislang vom Blattgrün verdeckt waren und das Herbstlaub leuchtet bunt.

An der Frage, ob Laub in Gärten und Parks beseitigt oder an Ort und Stelle belassen werden soll, scheiden sich die Geister: Die einen plädieren für ein komplettes Aufsammeln der Blätter, um dem darunter liegenden Boden die Luft- und Wasserzufuhr nicht zu entziehen. Andere hingegen befürworten ein Liegenlassen, und zwar nicht etwa aus Faulheit, sondern aus einem guten Grund: Laub ist der beste natürliche Dünger, den ein Gartenbesitzer sich wünschen kann. Wer sein Laub im Herbst liegen und es verrotten lässt, pflegt damit seinen Gartenboden! Darüber hinaus dient dieses Laub als Unterschlupf für Nützlinge wie Marienkäfer und Ohrenkneifer. Regenwürmern liefern die herabgefallenen Blätter wertvolles Winterfutter. Und auch als Frostschutz für Pflanzen ist Falllaub sehr gut zu verwenden. Größere Laubhaufen sollte man jedoch nicht den Winter über liegen lassen. Es kann nämlich passieren, dass im Herbst sich dort Igel einen Unterschlupf suchen. Die Blätter nehmen aber im Laufe der Zeit zu viel Feuchtigkeit auf, so dass keine Wärmedämmung mehr gegeben ist und die Igel im Schlaf erfrieren können. Ein Unterschlupf aus Reisig mit einigen Blättern ist hingegen ein perfektes Igelquartier.

Wer gleichwohl Laub entfernen will oder muss, sollte das umweltschonend und gesundheitsfördernd mit Rechen und Korb erledigen und das gesammelte Laub dort entsorgen, wo seine Bewohner überleben können. Eine schlechte Ökobilanz haben dagegen laute und energiefressende Laubbläser und generell abzulehnen sind die tödlichen Laubsauger, die mit dem Laub auch Unmengen an Insekten zerhäckseln.

 

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