NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Mai 2020:  Fleischkonsum

18 Prozent, also fast ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen allein auf die Fleischproduktion - das ermittelte die Welternährungsorganisation FAO. Greenpeace spricht sogar von 20 Prozent. (Zum Vergleich: Der globale Transportverkehr inklusive Autos, Eisenbahnen, Schiffen und Flugzeugen ist dagegen „bloß“ für 14 Prozent ursächlich, darunter der Luftverkehr mit knapp 3 Prozentpunkten.) Unersättlich ist nämlich der menschliche Appetit auf Fleisch - jeder Deutsche verzehrt jährlich über 60 Kilogramm und damit dreimal so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gutheißt. Diese fünf Millionen Tonnen Fleischkonsum allein der Deutschen beanspruchen eine Futteranbaufläche von der Größe Österreichs!

Denn Fleischproduktion ist ineffizient: 16 Kilogramm Getreide und 16.000 Liter Wasser werden zur Produktion eines einzigen Kilogramms Fleisch benötigt; für eine Kalorie Fleisch müssen zehn Kalorien Nahrungspflanzen verbraucht werden. Besonders schlecht ist dabei die Klimabilanz von Rindfleisch: 13 Kilogramm Kohlendioxid werden durch die Erzeugung von einem Kilogramm Rind- oder Kalbfleisch freigesetzt; bei Geflügel- oder Schweinefleisch ist es mit 3 bis 4 Kilogramm CO2 nur ein Drittel davon. An diesen hohen Zahlen ändert auch der brutale Kostenwettbewerb nichts, der lediglich dazu führt, dass Unmengen an Spritzmitteln, Dünger, Medikamenten sowie Treibstoff fließen, dass die Knochenarbeit in der Fleischindustrie krank macht und jämmerlich bezahlt wird und dass 95% unserer Nutztiere elendig vegetieren müssen, während in den Entwicklungsländern die Natur zerstört wird und eine Milliarde Menschen Armut und Hunger leiden. Fleisch frisst den Planeten…

Klima- und Umweltschutz gehören zu den wichtigsten Aufgaben unserer Generation – das gilt auch während einer temporären Corona-Krise uneingeschränkt weiter. Mit unserer Ernährung entscheiden wir darüber, ob Urwälder für genmanipuliertes Futter-Soja gerodet werden, ob riesige Rinderherden große Mengen des starken Treibhausgases Methan produzieren, ob unter gewaltigem Energieaufwand Futtermittel angebaut und mit Kunstdünger und Pestiziden behandelt werden und ob Lebensmittel per Flugzeug, Schiff und Lkw durch die ganze Welt verfrachtet werden. Mit unseren Lebensmittelkäufen haben wir direkten Einfluss: Je stärker wir pflanzliche Lebensmittel bevorzugen (und dabei auf biologische, regionale, saisonale Produktion achten), desto weniger Treibhausgase heizen den Klimawandel an, desto weniger Pestizide und Düngemittel verunreinigen das Wasser und desto weniger Urwälder werden für Vieh und Futtermittel gerodet.

Man muss ja gar nicht komplett auf Fleisch verzichten: Eine bloße Reduzierung des Fleischkonsums erlaubt den Umstieg auf köstliches, bekömmliches Biofleisch ohne zusätzliche Belastung der Haushaltskasse und wäre zudem ein leicht umzusetzender Beitrag zur eigenen Gesunderhaltung und zum weltweiten Umweltschutz.

 

 

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